Eine Patientin sucht abends eine neue Hausarztpraxis. Sie findet drei Praxen in ihrer Nähe, öffnet drei Websites – und ruft am nächsten Morgen bei der Praxis an, deren Seite ihre Fragen in zehn Sekunden beantwortet hat. Nimmt die Praxis neue Patienten? Wann ist Sprechstunde? Gibt es einen Aufzug? Die anderen beiden Praxen sind vielleicht fachlich genauso gut. Sie hat es nur nicht herausgefunden.
Die Website einer Arztpraxis muss nicht groß sein. Sie muss die Fragen beantworten, die sonst am Telefon landen. Wir bauen seit Jahren Websites für Praxen und sehen immer dieselben Lücken. Hier ist die Liste, mit der Sie Ihre eigene Seite in einer Viertelstunde prüfen können.
Welche Fragen haben Patienten, bevor sie anrufen?
Fast jeder Besuch auf einer Praxis-Website hat einen von wenigen Gründen. Wer diese Gründe kennt, weiß, was ganz oben stehen muss:
- Hat die Praxis gerade geöffnet? Sprechzeiten, Telefonzeiten und Mittagspause.
- Ist die Praxis die richtige für mich? Fachrichtung, Schwerpunkte, Kassen- oder Privatpraxis.
- Werden neue Patienten aufgenommen? Eine Frage, die Ihr Praxisteam am Telefon sehr oft hört.
- Wie komme ich hin? Adresse, Parkplätze, Haltestelle, Zugang für Rollstuhl oder Kinderwagen.
- Wie bekomme ich einen Termin? Telefon, Online-Buchung oder offene Sprechstunde.
- Was mache ich, wenn die Praxis zu ist? Vertretung im Urlaub, Bereitschaftsdienst, Notfall.
Alles, was auf der Startseite steht, muss mindestens eine dieser Fragen beantworten. Ein langer Begrüßungstext über die Philosophie der Praxis beantwortet keine davon.
Die Pflicht-Inhalte für die Startseite
Sprechzeiten und Telefonzeiten
Die Sprechzeiten gehören auf die Startseite, nicht in ein Untermenü. Wenn sich Telefonzeiten und Sprechzeiten unterscheiden, nennen Sie beides getrennt. Vergessen Sie die Mittagspause und den Mittwochnachmittag nicht – genau dort entstehen die meisten Missverständnisse. Die Zeiten müssen mit Ihrem Google-Unternehmensprofil übereinstimmen. Widersprechen sich beide Angaben, weiß der Patient nicht, welcher er glauben soll.
Urlaub und Vertretung
Ein kurzer Hinweis oben auf der Seite reicht: „Vom 22.12. bis 02.01. ist die Praxis geschlossen. Vertretung: Praxis Dr. Muster, Hauptstraße 5, Telefon …“. Wichtig ist, dass der Hinweis nach dem Urlaub wieder verschwindet. Ein Urlaubshinweis vom vergangenen Sommer wirkt, als kümmere sich niemand um die Seite. Wie Sie solche Hinweise selbst pflegen, ohne auf einen Webdesigner zu warten, zeigen wir in unserem Beitrag Öffnungszeiten und Urlaub selbst ändern.
Bereitschaftsdienst und Notfall
Außerhalb der Sprechzeiten suchen Patienten vor allem eine Information: Wen rufe ich jetzt an? Nennen Sie die 116117 für den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die 112 für lebensbedrohliche Notfälle. Bei Zahnarztpraxen, Kinderarztpraxen und Augenarztpraxen gibt es in vielen Regionen eigene Notdienste – verlinken Sie den, der in Ihrer Region gilt.
Kontakt und Anfahrt
Telefonnummer als anklickbarer Link, damit man sie auf dem Handy mit einem Tipp anrufen kann. Dazu Adresse, Etage, Parkmöglichkeiten und die nächste Haltestelle. Ein Satz zur Barrierefreiheit hilft mehr, als viele denken: „Die Praxis liegt im 2. OG, ein Aufzug ist vorhanden.“ Oder ehrlich: „Leider nur über Treppen erreichbar.“ Beides erspart einem Teil Ihrer Patienten einen vergeblichen Weg.
Rufen Sie Ihre eigene Website einmal auf dem Handy auf und stellen Sie sich vor, Sie stehen mit Fieber vor der verschlossenen Praxistür. Finden Sie in fünf Sekunden die Vertretung oder die 116117? Wenn nicht, fehlt etwas Wichtiges.
Was gehört auf die Unterseiten?
Leistungen und Schwerpunkte
Schreiben Sie so, wie Patienten suchen. „Hautkrebs-Vorsorge“ versteht jeder, „Dermatoskopische Untersuchung pigmentierter Läsionen“ nur Kolleginnen und Kollegen. Nennen Sie auch Selbstzahler-Leistungen sachlich und mit dem Hinweis, dass die Kasse sie nicht übernimmt. Das verhindert unangenehme Gespräche am Empfang.
Team
Patienten wollen wissen, wer sie behandelt. Ein Foto der Ärztinnen und Ärzte mit Fachrichtung und Werdegang in wenigen Zeilen genügt. Das Praxisteam am Empfang gehört ebenfalls dazu – dort findet der erste Kontakt statt. Fotos von Mitarbeitenden nur mit deren Einverständnis.
Termine
Erklären Sie kurz, wie Termine vergeben werden. Wenn Sie eine Online-Terminbuchung nutzen, verlinken Sie sie sichtbar. Welche Varianten es gibt und worauf Sie dabei achten sollten, haben wir in Online-Terminbuchung auf der Website zusammengestellt. Gibt es eine offene Sprechstunde ohne Termin, gehört das ebenfalls hierher.
Formulare und Praktisches
Anamnesebogen zum Ausdrucken, Hinweise zum Rezept-Nachbestellen, was man zum ersten Termin mitbringt: Versichertenkarte, Medikamentenliste, Überweisung. Jede Antwort hier ist ein Anruf weniger am Empfang.
Was ist bei einer Praxis-Website rechtlich zu beachten?
Für Arztpraxen gelten strengere Regeln als für andere Betriebe. Drei Punkte sollten Sie kennen:
- Impressum mit berufsrechtlichen Angaben. Neben Name und Anschrift gehören unter anderem die Berufsbezeichnung, der Staat, in dem sie verliehen wurde, die zuständige Ärztekammer, bei Kassenpraxen die Kassenärztliche Vereinigung als Aufsichtsbehörde und ein Verweis auf die geltende Berufsordnung dazu. Welche Angaben im Einzelnen nötig sind, erklären wir in Was muss ins Impressum?
- Sachliche Darstellung. Die ärztliche Berufsordnung verbietet anpreisende, irreführende und vergleichende Werbung. „Die beste Praxis der Stadt“ oder „schmerzfreie Behandlung garantiert“ haben auf der Website nichts zu suchen. Sachliche Angaben zu Qualifikationen, Schwerpunkten und Ausstattung sind dagegen erlaubt.
- Datenschutz. Eine Datenschutzerklärung ist Pflicht. Bei einem Kontaktformular sollten Sie darauf hinweisen, dass darüber keine Befunde oder ausführlichen Beschwerden geschickt werden sollen. Gesundheitsdaten sind besonders geschützt.
Die Berufsordnungen unterscheiden sich je nach Bundesland in Details. Im Zweifel hilft ein Blick auf die Merkblätter Ihrer Landesärztekammer.
Was kann weg?
Viele Praxis-Websites sind nicht zu leer, sondern zu voll. Diese Dinge sehen wir oft und raten meist zum Streichen:
- Lange Begrüßungstexte, die mit „Herzlich willkommen auf unserer Homepage“ beginnen
- Veraltete Neuigkeiten, etwa die Grippeimpfung von vor zwei Jahren
- Allgemeine Krankheitslexika, die niemand liest und die schnell veralten
- Stockfotos von lächelnden Menschen in weißen Kitteln, die nicht zu Ihrer Praxis gehören
- Bildergalerien mit zwanzig Fotos vom Wartezimmer
Weniger Inhalt heißt weniger Pflegeaufwand. Und eine Seite, die gepflegt wirkt, schafft mehr Vertrauen als eine, die alles enthält.
Die Checkliste zum Abhaken
- Sprechzeiten und Telefonzeiten auf der Startseite
- Aktueller Urlaubshinweis mit Vertretung – oder keiner
- 116117 und 112 für die Zeit außerhalb der Sprechstunde
- Telefonnummer auf dem Handy anklickbar
- Adresse, Anfahrt, Parken, Barrierefreiheit
- Kasse oder privat, und ob neue Patienten aufgenommen werden
- Leistungen in der Sprache der Patienten
- Team mit Fotos und Fachrichtung
- Weg zum Termin, ggf. Online-Buchung
- Impressum mit berufsrechtlichen Angaben und Datenschutzerklärung
Wenn Ihre Seite alle zehn Punkte erfüllt, ist sie besser aufgestellt als viele Praxis-Websites, die wir zu sehen bekommen. Wird sie trotzdem nicht gefunden, liegt das meist an anderen Dingen – mögliche Ursachen haben wir in Warum findet Google meine Praxis nicht? gesammelt.
Sie möchten eine Praxis-Website, die diese Liste von Anfang an erfüllt und die Sie selbst pflegen können? Wie wir dabei vorgehen, sehen Sie auf unserer Seite zu Websites für Praxen. Für den Einstieg reicht oft schon eine einzige Seite – unsere Visitenkarte kostet 790 € Festpreis, das erste Jahr Hosting inklusive. Die Details stehen in unseren Preisen.
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