Am 1. Oktober 2026 hat Google seine Hinweise zu KI-Inhalten auf Websites überarbeitet. Die Kernaussage ist knapp und ungewöhnlich deutlich: Alles, was eine KI für Ihre Website schreibt, sollen Sie vor dem Veröffentlichen von Hand auf Fakten prüfen. Und zwar nicht nur den sichtbaren Text, sondern auch das, was kaum jemand liest: Seitentitel, Meta-Beschreibungen, strukturierte Daten und Alternativtexte von Bildern.
Gerade dieser zweite Teil betrifft kleine Betriebe. Denn wer seine Website selbst pflegt, lässt sich solche Kleinigkeiten gern von der KI ausfüllen. Das geht schnell, und niemand schaut je wieder drauf. Wir zeigen, was Google jetzt verlangt, wo auf einer typischen Praxis- oder Handwerker-Website die Fehler sitzen und wie Sie in einer Stunde nachprüfen.
Was hat Google am 1. Oktober geändert?
Google führt in der Search-Central-Dokumentation eine eigene Seite dazu, wie man generative KI für Website-Inhalte einsetzen sollte. Die Seite gab es schon vorher. Neu ist die Gewichtung: Google bezeichnet die manuelle Prüfung jetzt als entscheidend und begründet das offen. Sprachmodelle sagen eine wahrscheinliche Wortfolge voraus, sie schlagen keine Fakten nach. Dabei entstehen Fehler, die überzeugend klingen, sogenannte Halluzinationen.
Die wichtigsten Punkte der aktualisierten Hinweise:
- Faktencheck vor dem Veröffentlichen: Alle KI-erzeugten Inhalte sollen von Hand auf Richtigkeit und Vertrauenswürdigkeit geprüft werden.
- Auch Metadaten zählen: Die Prüfung gilt ausdrücklich für den Seitentitel, die Meta-Beschreibung, strukturierte Daten und Alternativtexte von Bildern, weil diese in den Suchergebnissen erscheinen können.
- Keine Massenseiten: Wer mit KI viele Seiten ohne echten Mehrwert erzeugt, verstößt unter Umständen gegen Googles Spam-Richtlinie zu massenhaft erstellten Inhalten.
- Transparenz: Google empfiehlt, Lesern zu erklären, wie ein Inhalt entstanden ist, und zwar in einer Form, die zu Ihrem Publikum passt.
- Online-Shops: Wer Produkte über das Google Merchant Center anbietet, muss KI-generierte Produktbilder in den Bild-Metadaten kennzeichnen und KI-erzeugte Produkttitel und -beschreibungen im Produktfeed gesondert als KI-generiert ausweisen.
Zeitlich fällt die Änderung mitten in das Spam-Update vom September 2026, das Google am 24. September gestartet hat und dessen Ausrollen bis zu zwei Wochen dauern kann. Welche Taktiken das Update konkret ins Visier nimmt, hat Google nicht gesagt. Einen direkten Zusammenhang sollten Sie daraus also nicht ableiten. Die Richtung ist trotzdem klar: Ungeprüfte KI-Inhalte sind für Google kein Kavaliersdelikt mehr.
Warum zählen ausgerechnet die unsichtbaren Texte?
Den Fließtext einer Leistungsseite lesen Sie vor dem Veröffentlichen meist noch einmal. Die Meta-Beschreibung im SEO-Plugin oder den Alternativtext im Bilderfeld eher nicht. Genau diese Texte zeigt Google aber oft als Erstes: Der Seitentitel ist die blaue Überschrift im Suchergebnis, die Meta-Beschreibung steht darunter. Ein potenzieller Kunde sieht sie, bevor er Ihre Website überhaupt öffnet.
Aus unseren Website-Checks kennen wir typische Fehler, die genau dort entstehen, wenn eine KI die Felder füllt:
- Erfundene Leistungen: Die Meta-Beschreibung einer Malerseite verspricht „Fassadendämmung und Trockenbau“, obwohl der Betrieb beides nicht anbietet. Die KI kennt die Branche, aber nicht Ihren Betrieb.
- Falsche Orte: Der Seitentitel nennt eine Nachbarstadt oder einen Stadtteil, in dem Sie gar nicht arbeiten, weil die KI das Einzugsgebiet geraten hat.
- Veraltete Öffnungszeiten in den strukturierten Daten: Ein Plugin hat die Zeiten einmal maschinell eingetragen, die Praxis hat sie längst geändert. Google liest trotzdem die alten.
- Alternativtexte, die nicht zum Bild passen: „Modernes Team bei der Besprechung“ unter einem Foto Ihrer Werkstatt. Das hilft weder Menschen mit Screenreader noch der Bildersuche.
- Zahlen ohne Beleg: „Über 500 zufriedene Kunden“ oder „seit 1998“ in der Beschreibung, obwohl niemand diese Zahl je genannt hat.
Keiner dieser Fehler ist dramatisch, wenn er einmal vorkommt. Gefährlich wird es, wenn Kunden aufgrund falscher Angaben anrufen, vor verschlossener Tür stehen oder Leistungen erwarten, die Sie nicht erbringen. Bei Praxen kommt hinzu: Falsche Angaben zu Behandlungen oder Abrechnungsarten können schnell berufsrechtlich heikel werden.
Was die KI über Ihre Branche weiß, ist Durchschnittswissen. Was sie über Ihren Betrieb „weiß“, ist geraten. Jede Angabe zu Leistungen, Orten, Zeiten, Preisen und Zahlen muss von Ihnen kommen, nicht von der KI.
Der Faktencheck in vier Schritten
Sie brauchen dafür kein Fachwissen und kein teures Werkzeug. Planen Sie für eine kleine Website mit zehn bis fünfzehn Seiten etwa eine Stunde ein.
- Suchergebnisse ansehen: Geben Sie bei Google
site:ihre-domain.deein. Sie sehen dann die Titel und Beschreibungen, die Google von Ihren Seiten anzeigt. Lesen Sie jede Zeile so, als wären Sie ein Kunde: Stimmt das? Bieten wir das an? Arbeiten wir dort? - Felder im System prüfen: Öffnen Sie in Ihrem Website-Baukasten oder in WordPress bei jeder Seite das SEO-Feld (bei WordPress meist im Bereich von Yoast oder Rank Math). Vergleichen Sie Titel und Beschreibung mit dem, was Sie tatsächlich tun.
- Strukturierte Daten testen: Mit dem kostenlosen Test für Rich-Suchergebnisse von Google sehen Sie, welche Angaben Ihre Seite maschinenlesbar mitliefert, etwa Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten. Diese müssen mit Ihrem Google-Unternehmensprofil und Ihrem Impressum übereinstimmen.
- Bilder durchgehen: In der Mediathek Ihres Systems steht bei jedem Bild das Feld für den Alternativtext. Er soll beschreiben, was wirklich zu sehen ist. Wie gute Alternativtexte aussehen, erklären wir ausführlich im Beitrag Bilder-SEO für kleine Betriebe.
Dürfen Sie KI für Ihre Website überhaupt noch nutzen?
Ja. Google hat KI-Inhalte nicht verboten und bewertet Inhalte weiterhin danach, ob sie Besuchern helfen, nicht danach, wer oder was sie geschrieben hat. Die Änderung betrifft den Umgang, nicht das Werkzeug. Ein Entwurf von der KI, den Sie prüfen, ergänzen und mit Ihrem Wissen füllen, ist ausdrücklich in Ordnung.
Riskant wird es an zwei Stellen. Erstens bei ungeprüften Angaben, siehe oben. Zweitens bei Masse: Manche Anbieter versprechen, für jeden Ort im Umkreis eine eigene Seite zu erzeugen, „Elektriker Leverkusen“, „Elektriker Burscheid“, „Elektriker Leichlingen“, jeweils mit demselben Text und nur ausgetauschtem Ortsnamen. Genau solche Seiten ohne eigenen Mehrwert meint Google mit massenhaft erstellten Inhalten. Eine gute Seite über Ihr echtes Einzugsgebiet bringt mehr als zwanzig austauschbare.
Wie Sie einen KI-Entwurf so überarbeiten, dass er nach Ihrem Betrieb klingt und nicht nach dem Mitbewerber, haben wir gerade erst im Beitrag KI-Texte auf der Website gezeigt. Der Faktencheck hier ist der zweite Schritt: Erst muss es stimmen, dann muss es nach Ihnen klingen.
Müssen Sie KI-Texte jetzt kennzeichnen?
Google empfiehlt Transparenz, schreibt aber für normale Website-Texte keine Kennzeichnung vor. Sinngemäß heißt es dort: Erklären Sie, wie ein Inhalt entstanden ist, und zwar so, wie es für Ihre Leser passt. Für eine Leistungsseite, die Sie mit KI-Hilfe formuliert und selbst geprüft haben, ist ein Hinweis in der Regel nicht nötig. Für einen Ratgeber-Artikel, den überwiegend eine KI geschrieben hat, kann ein kurzer Satz dazu das Vertrauen sogar stärken.
Eine Ausnahme gilt für Produktdaten im Google Merchant Center: Dort müssen KI-generierte Produktbilder und -texte gekennzeichnet werden. Was rechtlich unabhängig von Google gilt, etwa durch die europäische KI-Verordnung, haben wir in unserem Beitrag zur KI-Kennzeichnungspflicht zusammengefasst.
Was wir Ihnen raten
Nehmen Sie die Änderung als Anlass für einen einmaligen Durchgang, nicht als Grund zur Sorge. Die meisten kleinen Websites haben nur eine Handvoll Seiten. Wer sie einmal sauber geprüft hat, muss danach nur noch bei neuen Texten aufpassen. Unsere Faustregel: Jeder Satz, der eine überprüfbare Aussage über Ihren Betrieb macht, wird von einem Menschen bestätigt, der Ihren Betrieb kennt. Das gilt für den Fließtext genauso wie für das kleine Feld im SEO-Plugin.
Sie sind unsicher, was die KI auf Ihrer Website hinterlassen hat? Schicken Sie uns den Link. Wir sehen uns Titel, Beschreibungen und strukturierte Daten an und sagen Ihnen, wo etwas nicht stimmt.
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