Am Morgen des 13. August stellten weltweit Betreiber kleiner Websites fest: Die eigene Seite ist weg. Die E-Mails auch. Und die Support-Seite des Hosters — ebenfalls nicht erreichbar. Beim US-Anbieter Namecheap, einem der größten Hoster und Domain-Registrare der Welt, stand über Stunden fast alles still. Der Grund war kein Hackerangriff, sondern etwas viel Banaleres: Hitze.
Was ist am 13. August passiert?
In der Nacht zogen schwere Unwetter über Phoenix im US-Bundesstaat Arizona. Die Stromversorgung des Rechenzentrums, in dem zentrale Teile der Namecheap-Infrastruktur stehen, wurde gestört — und dabei fielen die Kühlsysteme aus. In einem fensterlosen Gebäude voller Server, mitten im Hochsommer von Arizona, steigen die Temperaturen dann schnell auf kritische Werte. Namecheap blieb nur eine Wahl: Die betroffenen Server wurden gezielt heruntergefahren, bevor die Hardware dauerhaften Schaden nimmt.
Betroffen war fast das gesamte Angebot: gehostete Websites, WordPress-Hosting, E-Mail-Postfächer, Teile der DNS-Verwaltung — und ausgerechnet auch die eigene Website samt Support-Systemen. Kunden konnten also nicht einmal nachlesen, was los war, oder ein Ticket aufmachen. Bis zur vollständigen Wiederherstellung dauerte es laut Namecheaps eigenen Status-Updates gut 30 Stunden — erst am 14. August waren alle Dienste zurück, die eigene Hauptseite nach knapp zwölf Stunden. Namecheap-Chef Hillan Klein entschuldigte sich noch am ersten Tag öffentlich: „We failed you today."
Kann das auch Ihrer Website passieren?
Ja — und zwar unabhängig davon, wie gut Ihr Hoster ist. Namecheap spricht vom ersten Vorfall dieser Art in 25 Jahren Firmengeschichte und kündigte danach an, zusätzliche Redundanz über seine Rechenzentren in den USA, Europa und Asien aufzubauen. Trotzdem hat eine Kette aus Unwetter, Stromstörung und ausgefallener Kühlung gereicht, um einen der größten Hoster der Welt für über 30 Stunden weitgehend lahmzulegen.
Die ehrliche Antwort lautet also: Verhindern können Sie einen Ausfall als Kunde nicht. Was Sie steuern können, ist etwas anderes — wie hart er Sie trifft.
Der wunde Punkt: Wenn alles am selben Anbieter hängt
Die eigentliche Lehre aus dem Vorfall steckt in einem Detail: Bei vielen Betroffenen waren Website, E-Mail und Domain-Verwaltung gleichzeitig weg. Wer alles bei einem Anbieter bündelt, hat im Normalbetrieb weniger Verwaltungsaufwand — und im Störfall keinen einzigen funktionierenden Kanal mehr. Kein Zugriff auf die Website, keine eingehenden E-Mails, keine Möglichkeit, kurzfristig eine Umleitung zu schalten.
Für eine Praxis heißt das: Terminanfragen laufen ins Leere, und niemand erfährt, warum. Für einen Handwerksbetrieb: Das Angebot, auf das ein Kunde wartet, kommt nicht an — die Rückfrage des Kunden ebenfalls nicht. Der Schaden entsteht weniger durch die Stunden des Ausfalls selbst als durch die Funkstille, die niemand erklärt.
Was können Sie konkret tun?
Vier Schritte, von denen keiner länger als eine Stunde dauert — und keiner setzt technisches Vorwissen voraus.
1. Herausfinden, wo Ihre Website eigentlich liegt
Wer ist der Hoster? Steht der Server in Deutschland oder anderswo? Laufen Domain, Website und E-Mail über denselben Vertrag? Wenn eine Agentur Ihre Website betreut, fragen Sie einmal nach und notieren Sie die Antworten. Im Störfall ist das die erste Information, die Sie brauchen — und die am schwersten zu beschaffen ist, wenn gerade nichts erreichbar ist.
2. Wissen, wo Ihr Hoster über Störungen informiert
Viele Hoster betreiben eine Status-Seite, auf der sie über Störungen informieren. Der Namecheap-Fall zeigt allerdings, worauf es dabei ankommt: Dessen Status-Seite hängt an der eigenen Hauptdomain — und war zeitweise selbst nicht erreichbar. Die laufenden Updates kamen stattdessen über den Kurznachrichtendienst X. Prüfen Sie deshalb zweierlei: Wo informiert Ihr Hoster im Störfall, und läuft dieser Kanal wirklich getrennt vom übrigen System? Wer die richtige Adresse kennt, sieht sofort: Es liegt nicht an mir, der Hoster arbeitet daran. Das erspart hektische Stunden und unnötige Anrufe bei der Webdesignerin oder dem Support.
3. Prüfen, ob E-Mail und Website gemeinsam ausfallen würden
Sie müssen deshalb nicht sofort etwas umbauen. Aber Sie sollten wissen: Wenn das Webhosting ausfällt — sind dann auch die E-Mails weg? Falls ja, halten Sie fest, wie Kunden Sie sonst erreichen: Stimmt die Telefonnummer im Google-Unternehmensprofil? Ist das Social-Media-Profil aktuell? Ein Ausfall wird deutlich harmloser, wenn wenigstens ein Kanal weiterläuft, über den Sie erreichbar bleiben.
4. Ein eigenes Backup außerhalb des Hosters anlegen
Im Namecheap-Fall wurden die Server kontrolliert heruntergefahren, gerade um Hardware und Daten zu schützen. Darauf verlassen sollten Sie sich beim nächsten Vorfall nicht — ein Brand oder ein Hardware-Defekt fragt nicht vorher. Die Kurzfassung: Ein Backup, das auf demselben Server liegt wie die Website, ist keins. Wie Sie das mit wenig Aufwand sauber lösen, haben wir in unserem Beitrag „Wer sichert Ihre Website?" Schritt für Schritt beschrieben.
Machen Sie heute den Fünf-Minuten-Test: Wissen Sie aus dem Kopf, wer Ihr Hoster ist und wo er über Störungen informiert? Falls nein — beides jetzt heraussuchen und als Lesezeichen speichern. Im Ernstfall ist genau das die Information, die zählt.
Müssen Sie jetzt den Hoster wechseln?
Nein — jedenfalls nicht wegen dieses einen Vorfalls. Ausfälle können jeden Anbieter treffen. Entscheidend ist, wie er damit umgeht: Namecheap hat während der Störung laufend informiert und den Fehler danach öffentlich erklärt. Das ist der Maßstab, an dem Sie auch Ihren eigenen Hoster messen sollten.
Kritisch wird es bei anderen Signalen: Sie erfahren von Störungen grundsätzlich nichts, der Support ist schon im Normalbetrieb kaum erreichbar, oder niemand kann Ihnen sagen, wo Ihre Daten überhaupt liegen. Treffen mehrere dieser Punkte zu, ist ein Wechsel eine Überlegung wert — wie das ohne Ausfallzeit geht, zeigt unser Leitfaden zum Hoster-Wechsel ohne Ausfall. Und wenn Ihnen wichtig ist, dass Ihr Server nicht in der Wüste von Arizona steht, sondern in einem deutschen Rechenzentrum mit kurzen Wegen und klarer Rechtslage, lohnt ein Blick auf unseren Beitrag zum Serverstandort Deutschland.
Der Namecheap-Ausfall ist für die meisten Betroffenen glimpflich ausgegangen: zwei angeschlagene Arbeitstage, aber nach jetzigem Kenntnisstand keine verlorenen Daten. Nehmen Sie ihn als kostenlosen Probealarm. Ein Nachmittag Vorbereitung entscheidet darüber, ob so ein Tag für Ihren Betrieb ein Ärgernis ist — oder ein Notfall. Und wenn Sie beim Sortieren Unterstützung möchten: Wir schauen gern gemeinsam mit Ihnen darauf, woran Sie bei Ihrem Hosting sind.
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