Webdesign 05. Oktober 2026 5 Min. Lesezeit

Leistungsseite schreiben: So verstehen Kunden, was Sie anbieten

Acht Stichpunkte untereinander sind noch keine Leistungsseite. Welche vier Fragen jede Leistung beantworten sollte, ob Preise draufgehören — und wie Sie Ihre Seite in zehn Minuten selbst prüfen.

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Daniel Piculjan Inhaber von page artist seit 2019.
Abstrakte Reihe dunkler Kacheln auf tintenblauem Grund, eine Kachel hervorgehoben in Gold mit feinen Konturlinien

Ein Interessent hat Sie gefunden. Er war auf der Startseite, hat kurz gescrollt und klickt jetzt auf „Leistungen". Das ist der Moment, in dem er wissen will: Machen Sie genau das, was ich brauche? Und was passiert, wenn ich mich melde?

Auf vielen Websites kleiner Betriebe bekommt er an dieser Stelle eine Liste. Acht Stichpunkte, untereinander, ohne Erklärung. „Innenanstrich. Fassade. Tapezierarbeiten. Bodenbeläge." Oder bei einer Praxis: „Manuelle Therapie. Krankengymnastik. Lymphdrainage." Das ist korrekt, aber es beantwortet keine einzige Frage des Besuchers. Wir sehen das in fast jedem Projekt, das wir übernehmen — und die Leistungsseite ist oft die Stelle, an der sich am schnellsten etwas verbessern lässt.

Warum reicht eine Liste von Leistungen nicht?

Eine Liste sagt, was Sie anbieten. Der Besucher will aber wissen, ob Sie sein Problem lösen. Das sind zwei verschiedene Dinge. Wer „Fassade" liest, weiß noch nicht, ob Sie auch Risse ausbessern, ob Sie ein Gerüst stellen oder ob Sie bei einem Mehrfamilienhaus überhaupt anrücken. Wer „Manuelle Therapie" liest, weiß nicht, ob das bei seinen Rückenschmerzen hilft und ob er dafür ein Rezept braucht.

Eine gute Leistungsseite übersetzt Ihre Fachbegriffe in die Situation des Kunden. Sie beschreibt nicht Ihr Handwerk, sondern das, was danach anders ist: die Wand ist trocken, der Rücken beweglicher, die Steuererklärung pünktlich beim Finanzamt.

Dazu kommt Google. Eine Seite mit acht Stichworten hat kaum Text, den eine Suchmaschine einer konkreten Suchanfrage zuordnen kann. Wer „Schimmel an der Wand entfernen lassen" sucht, findet Sie deutlich leichter, wenn genau diese Situation irgendwo auf Ihrer Seite beschrieben ist.

Was gehört zu jeder einzelnen Leistung?

Für jede Leistung, die Ihnen wichtig ist, sollte der Besucher vier Fragen beantwortet bekommen. Kurz, in normaler Sprache, ohne Werbefloskeln:

  • Für wen ist das? Privatkunden, Vermieter, Hausverwaltungen, Kassenpatienten, Selbstzahler — wer passt, wer eher nicht.
  • Welches Problem löst es? Die Situation, in der jemand Sie anruft. „Die Fassade blättert ab und das Haus soll verkauft werden" ist greifbarer als „Fassadensanierung".
  • Wie läuft es ab? Erstgespräch, Besichtigung, Angebot, Termin. Drei, vier Schritte genügen. Wer den Ablauf kennt, hat weniger Hemmungen, sich zu melden.
  • Was ist der nächste Schritt? Ein klarer Hinweis direkt unter der Leistung: anrufen, Termin buchen, Fotos per Mail schicken.

Das klingt nach viel Text. In der Praxis sind es pro Leistung oft nur fünf bis acht Sätze. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern dass jeder Satz eine Frage beantwortet, die Kunden Ihnen sonst am Telefon stellen.

◆ Tipp

Schreiben Sie eine Woche lang mit, welche Fragen Ihnen Neukunden am Telefon oder per Mail stellen. Diese Liste ist die beste Vorlage für Ihre Leistungsseite — Sie schreiben dann genau das auf, was Ihre Kunden wirklich wissen wollen.

Eine Seite oder eine Seite pro Leistung?

Das hängt davon ab, wie verschieden Ihre Leistungen sind. Unsere Faustregel aus der Praxis:

  • Eine Übersichtsseite reicht, wenn Sie wenige, eng verwandte Leistungen anbieten und die Kunden meist dieselben sind. Ein Solo-Coach mit Einzel- und Paarberatung braucht keine zehn Unterseiten.
  • Eigene Unterseiten lohnen sich, wenn eine Leistung eine eigene Zielgruppe hat oder gezielt über Google gefunden werden soll. Eine Tischlerei, die Einbauschränke und Haustüren macht, erreicht damit zwei sehr unterschiedliche Kunden.

Wenn Sie Unterseiten anlegen, braucht die Übersicht trotzdem einen kurzen Absatz zu jeder Leistung und einen Link dorthin. Sonst wird die Übersicht zur Linksammlung — und die hilft niemandem.

Wer Google Ads schaltet, profitiert doppelt. Eine Anzeige für eine bestimmte Leistung sollte auf der passenden Unterseite landen, nicht auf der Startseite. Welche Suchbegriffe Ihr Budget tatsächlich verbrauchen, zeigt der Suchbegriffe-Check in Google Ads.

Preise nennen — ja oder nein?

Diese Frage stellen uns Handwerksbetriebe und Praxen am häufigsten. Unsere ehrliche Antwort: Ein fester Preis ist oft nicht möglich, ein Anhaltspunkt fast immer. Ein Satz wie „Ein Zimmer streichen kostet bei uns meist zwischen X und Y Euro, je nach Zustand der Wände" filtert Anfragen, die sowieso nicht passen, und gibt allen anderen Sicherheit.

Wo selbst ein Rahmen nicht geht, erklären Sie, wovon der Preis abhängt: Fläche, Material, Anfahrt, Aufwand. Und sagen Sie, ob das Angebot kostenlos ist. Wer nicht weiß, ob schon der Besichtigungstermin etwas kostet, ruft im Zweifel lieber gar nicht an.

Bilder, die zeigen, statt zu schmücken

Auf der Leistungsseite haben Bilder eine klare Aufgabe: Sie sollen zeigen, dass Sie diese Arbeit schon gemacht haben. Ein Vorher-Nachher-Foto einer sanierten Fassade, der Behandlungsraum, in dem die Therapie stattfindet, das fertige Möbelstück beim Kunden. Ein Stockfoto mit lächelnden Handwerkern leistet das nicht. Warum echte Fotos so viel mehr bewirken, haben wir in unserem Beitrag über echte Fotos statt Stockfotos beschrieben.

Ein Bild pro Leistung genügt oft. Wichtig ist ein beschreibender Alternativtext und gern eine kurze Bildunterschrift, die sagt, was zu sehen ist — das hilft Besuchern, Suchmaschinen und Menschen, die Ihre Seite mit einem Screenreader nutzen.

Die häufigsten Fehler, die wir sehen

  • Fachsprache ohne Übersetzung. Begriffe, die in Ihrer Branche selbstverständlich sind, versteht der Kunde nicht. Ein erklärender Halbsatz reicht meistens.
  • Alles gleich wichtig. Wenn Sie vor allem Badsanierungen machen wollen, gehört das Bad nach oben und bekommt den meisten Platz — nicht der Kleinauftrag, den Sie nebenbei erledigen.
  • Kein Kontakt in Reichweite. Wer am Ende einer Leistung überzeugt ist, darf nicht erst das Menü durchsuchen müssen. Telefonnummer oder Button gehören direkt darunter, auf dem Handy als antippbarer Link.
  • Veraltete Angebote. Leistungen, die Sie nicht mehr anbieten, kosten Zeit am Telefon und Vertrauen beim Kunden. Einmal im Jahr durchgehen und ausmisten.
  • Textkopien von der Konkurrenz oder aus dem KI-Tool. Austauschbare Sätze machen Sie austauschbar. Ihre Erfahrung, Ihre Region und Ihre Art zu arbeiten sind das, was Sie unterscheidet.

So prüfen Sie Ihre Leistungsseite in zehn Minuten

Öffnen Sie Ihre Leistungsseite auf dem Handy und lesen Sie sie so, als wären Sie ein Kunde, der Sie nicht kennt. Gehen Sie dann diese Fragen durch:

  1. Erkenne ich bei jeder Leistung in einem Satz, für wen sie gedacht ist?
  2. Wird beschrieben, welches Problem gelöst wird — nicht nur, wie die Leistung heißt?
  3. Weiß ich, wie es nach meiner Anfrage weitergeht?
  4. Gibt es einen Hinweis zu Preis oder Preisrahmen?
  5. Kann ich direkt von der Leistung aus anrufen oder schreiben?
  6. Zeigen die Bilder echte Arbeit aus Ihrem Betrieb?

Jedes „Nein" ist eine konkrete Aufgabe. Fangen Sie mit der Leistung an, die Ihnen am meisten Umsatz bringt, und arbeiten Sie sich von dort aus weiter. Die Leistungsseite ist neben der Startseite und der Über-uns-Seite die Seite, auf der Besucher entscheiden, ob sie sich melden. Ein Nachmittag Arbeit an ihr zahlt sich deshalb meist schneller aus als jede neue Designidee.


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