Ihre Website trägt Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse endet auf Ihre Domain, und auf jeder Visitenkarte steht sie auch. Trotzdem wissen viele Selbstständige, Praxen und Handwerksbetriebe nicht, wer die Domain rechtlich besitzt. Oft ist es der Webdesigner von damals, eine Agentur, ein ehemaliger Mitarbeiter oder der Neffe, der „das mit dem Internet“ gemacht hat. Solange alles läuft, fällt das niemandem auf. Zum Problem wird es erst, wenn Sie den Hoster wechseln, sich von der Agentur trennen oder die Rechnung für die Verlängerung an eine Adresse geht, die es nicht mehr gibt.
Die gute Nachricht: Sie können das in wenigen Minuten klären. Wir zeigen, worauf es ankommt und was Sie tun, wenn die Domain nicht auf Sie läuft.
Wem gehört Ihre Domain wirklich?
Bei einer Domain gibt es zwei Rollen, die oft verwechselt werden:
- Der Domaininhaber ist die Person oder Firma, der die Domain gehört. Bei .de-Domains ist das der Eintrag im Register der DENIC, der zentralen Vergabestelle für .de. Nur der Inhaber kann rechtlich über die Domain verfügen: sie umziehen, kündigen oder übertragen.
- Der Provider (auch Registrar genannt) ist der Anbieter, über den die Domain verwaltet und bezahlt wird, etwa Ihr Hoster. Er führt die Domain für den Inhaber, besitzt sie aber nicht.
Wichtig ist allein der Inhaber-Eintrag. Wer die Rechnung bezahlt oder die Zugangsdaten zum Kundenkonto hat, ist damit noch nicht Inhaber. Steht dort der Name Ihrer früheren Agentur, gehört die Domain im Zweifel der Agentur, auch wenn Sie jahrelang die Kosten getragen haben.
Warum die Frage für kleine Betriebe so wichtig ist
Für einen Konzern ist eine Domain eine von vielen. Für eine Physiotherapie-Praxis oder einen Malerbetrieb hängt an der einen Domain fast alles:
- E-Mail: Termine, Angebote, Rechnungen, Anfragen von Kunden. Ohne Domain keine Mail-Adresse.
- Auffindbarkeit: Google hat Ihre Seiten unter dieser Adresse gelernt. Eine neue Domain fängt bei der Sichtbarkeit weitgehend von vorn an.
- Drucksachen: Visitenkarten, Fahrzeugbeschriftung, Praxisschild, Flyer. Alles müsste neu.
- Zugänge: Viele Konten, vom Google-Unternehmensprofil bis zum Steuerberater-Portal, laufen über eine Adresse auf dieser Domain.
Wer die Domain kontrolliert, kontrolliert also einen großen Teil Ihres Betriebs. Das sollten Sie selbst sein.
So prüfen Sie den Inhaber in fünf Minuten
Früher reichte eine öffentliche Whois-Abfrage, um den Inhaber einer .de-Domain zu sehen. Seit Mai 2018 zeigt die DENIC dort wegen der DSGVO keine Inhaberdaten mehr öffentlich an. Sie brauchen also einen anderen Weg:
- Kundenkonto beim Provider öffnen. Wenn Sie selbst einen Zugang zu Ihrem Hoster haben, finden Sie in der Domain-Verwaltung meist einen Punkt wie „Inhaber“, „Domain-Kontakte“ oder „Whois-Daten“. Dort steht, wer eingetragen ist.
- Beim Anbieter nachfragen. Haben Sie keinen eigenen Zugang, weil eine Agentur alles verwaltet, fragen Sie schriftlich nach: „Wer ist als Inhaber der Domain eingetragen? Bitte senden Sie mir einen Auszug der Inhaberdaten.“ Das ist eine normale Anfrage, keine Misstrauenserklärung.
- Angaben prüfen. Stimmen Name, Firmierung und Anschrift? Auch eine alte Adresse ist ein Risiko: Manche Bestätigungen gehen per Post an die eingetragene Anschrift des Inhabers.
Legen Sie den Auszug mit den Inhaberdaten zu Ihren Unterlagen, zusammen mit den Zugangsdaten zum Provider-Konto. So haben Sie beides griffbereit, wenn es einmal eilt.
Die Domain läuft nicht auf Sie: Was jetzt?
Keine Panik. In den meisten Fällen steckt keine böse Absicht dahinter, sondern Bequemlichkeit: Die Agentur hat die Domain damals schnell über das eigene Konto registriert, und niemand hat es später geändert. So gehen Sie vor:
- Freundlich um Übertragung bitten. Schreiben Sie Ihrem Dienstleister, dass Sie den Inhaber auf sich bzw. Ihren Betrieb umschreiben lassen möchten. Bei vielen Providern ist ein solcher Inhaberwechsel ein Formular mit Unterschrift beider Seiten.
- Frist setzen und dokumentieren. Halten Sie Anfrage und Antwort schriftlich fest. Das hilft, falls es doch zu Streit kommt.
- Bei Streit rechtlich beraten lassen. Weigert sich jemand, eine Domain herauszugeben, die Ihren Firmennamen trägt und die Sie bezahlt haben, ist das ein Fall für eine Anwältin oder einen Anwalt. Klären Sie das, bevor Sie Verträge kündigen.
Ein wichtiger Punkt: Kündigen Sie niemals den Vertrag mit der Agentur oder dem Hoster, bevor die Domain sicher auf Sie läuft oder zu einem Anbieter Ihrer Wahl umgezogen ist. Wird der Vertrag beendet, kann die Domain im schlimmsten Fall gelöscht werden. Bei .de-Domains bleiben dem bisherigen Inhaber dann 30 Tage, um sie kostenpflichtig zurückzuholen. Danach kann sie jeder neu registrieren.
Der Umzugscode: Ihr Schlüssel zum Anbieterwechsel
Für den Umzug einer Domain zu einem anderen Anbieter brauchen Sie einen Autorisierungscode, meist „Auth-Code“ oder „AuthInfo“ genannt. Den stellt der bisherige Provider aus. Was viele nicht wissen: Bei .de-Domains gibt es einen Notausgang. Rückt der bisherige Provider den Code nicht heraus, beauftragen Sie Ihren neuen Provider, bei der DENIC einen Ersatzcode anzufordern (die sogenannte AuthInfo2). Die DENIC schickt ihn per Einschreiben an die eingetragene Inhaberadresse. Genau deshalb ist entscheidend, dass Sie selbst eingetragen sind und die Adresse stimmt.
Wie ein vollständiger Umzug von Website, Domain und E-Mails abläuft, ohne dass Ihre Seite offline geht, haben wir in unserem Beitrag Hoster wechseln ohne Ausfall Schritt für Schritt beschrieben.
Checkliste: Ihre Domain in sicheren Händen
- Sie selbst bzw. Ihr Betrieb sind als Domaininhaber eingetragen.
- Name und Anschrift in den Inhaberdaten sind aktuell.
- Sie haben einen eigenen Zugang zum Provider-Konto, nicht nur Ihr Dienstleister.
- Die Mail-Adresse für Benachrichtigungen des Providers ist eine, die Sie regelmäßig lesen, nicht die Adresse eines ehemaligen Mitarbeiters.
- Die Zahlungsdaten für die Verlängerung sind aktuell. Eine abgelaufene Kreditkarte kann reichen, damit eine Domain nicht verlängert wird.
- Die Zugangsdaten liegen an einem sicheren Ort, am besten in einem Passwort-Manager. Wie das im kleinen Betrieb funktioniert, lesen Sie in Wer hat das Passwort?
Domain, Website und E-Mail: alles bei einem Anbieter?
Beim Durchsehen stellt sich oft eine zweite Frage: Liegen Domain, Website und Postfach beim selben Anbieter? Das ist bequem, hat aber einen Haken. Fällt dieser eine Anbieter aus oder sperrt Ihr Konto, ist alles gleichzeitig weg. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt der Ausfall beim Anbieter Namecheap. Eine Trennung ist kein Muss. Aber wer die Domain selbst in der Hand hat, kann im Notfall Website und E-Mail schnell woanders hinzeigen lassen.
Unser Rat
Nehmen Sie sich diese Woche fünf Minuten und prüfen Sie, auf wen Ihre Domain eingetragen ist. Ist alles in Ordnung, haben Sie Gewissheit. Ist es das nicht, klären Sie es jetzt in Ruhe und nicht erst, wenn es brennt. Eine Domain nachträglich zurückzubekommen, kostet in der Regel viel mehr Zeit und Nerven als ein kurzer Blick heute.
Sie sind unsicher, wie die Lage bei Ihrer Website ist? Sprechen Sie uns an. Wir schauen gemeinsam mit Ihnen nach, wer als Inhaber eingetragen ist, und helfen beim Umschreiben oder Umzug.
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