Hosting 07. September 2026 5 Min. Lesezeit

Hosting-Preise steigen: Was die Erhöhungswelle für Ihre Website bedeutet

OVHcloud erhöht seit September kräftig, Hetzner hat schon nachgelegt: Die Hosting-Preise steigen branchenweit. Warum das passiert, wer wirklich betroffen ist und was Selbstständige und Praxen jetzt am Vertrag prüfen sollten.

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Daniel Piculjan Inhaber von page artist seit 2019.
Server-Rack als goldene Blaupausen-Zeichnung auf dunklem Grund, davor eine aufsteigende Preiskurve

Seit Anfang September gelten beim französischen Cloud-Anbieter OVHcloud neue Preise — und die haben es in sich: Bei aktuellen Server-Generationen werden 40 bis 87 Prozent mehr fällig, ältere Baureihen steigen deutlich weniger oder bleiben unverändert. Hetzner hatte schon im Juni die Preise für virtuelle Server angehoben. Wenn selbst die großen Anbieter so deutlich nachlegen, fragen sich viele Selbstständige, Praxisinhaber und Handwerksbetriebe: Wird meine Website jetzt teurer? Die kurze Antwort: möglicherweise, aber vermutlich deutlich moderater, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die lange Antwort lohnt sich — denn wer jetzt die richtigen Dinge prüft, zahlt am Ende weniger.

Was ist gerade passiert?

OVHcloud-Chef Octave Klaba hat Mitte August deutliche Preiserhöhungen angekündigt, die seit Anfang September für Neubestellungen gelten. Laufende Verträge bleiben zunächst unberührt; bei Vertragsverlängerungen fallen die Aufschläge milder aus. Ab dem 1. Oktober rechnet OVHcloud bei seinen Public-Cloud-Instanzen zudem Speicher und IP-Adressen separat ab. Aktuelle Server-Generationen kosten 40 bis 59 Prozent mehr, Gaming-Server sogar 87 Prozent. Bereits im Juni hatte Hetzner, einer der größten deutschen Anbieter, die Preise für virtuelle Server erhöht — bei einzelnen Modellen um mehr als 200 Prozent, wie heise online berichtete.

+40–59%
Aktuelle OVHcloud-Server-Generationen
+87%
Gaming-Server bei OVHcloud
6-fach
RAM-Preis binnen eines Jahres

Das sind keine Einzelfälle, sondern eine Welle, die gerade durch die gesamte Branche läuft. Die Frage ist nicht mehr, ob weitere Anbieter nachziehen — sondern wann und wie stark.

Warum steigen die Preise so stark?

Die Ursache liegt nicht bei den Hostern selbst, sondern im Hardware-Markt. Der weltweite Wettlauf um neue KI-Rechenzentren verschlingt derzeit enorme Mengen an Speicherchips — die großen KI-Betreiber kaufen den Markt für Arbeitsspeicher und SSDs regelrecht leer. Klaba beziffert das konkret: Der Preis für Arbeitsspeicher habe sich im Jahr bis Juni versechsfacht, bis September rechne er mit dem Neunfachen.

Ein Server besteht zu einem erheblichen Teil aus genau diesen Komponenten. Wer heute neue Hardware in ein Rechenzentrum stellt, zahlt dafür ein Vielfaches — und gibt das früher oder später an die Kunden weiter. Das ist keine Gier-Debatte, sondern schlicht Beschaffung: Die Hoster kaufen auf demselben Markt ein wie die KI-Konzerne, nur mit deutlich kleinerem Budget.

Trifft das auch Ihr Hosting-Paket?

Das hängt davon ab, was Sie gebucht haben. Die bisher angekündigten Erhöhungen betreffen vor allem Miet-Server und Cloud-Instanzen — also Angebote, bei denen Sie eine eigene Maschine oder einen fest zugeteilten Teil davon mieten.

Die meisten kleinen Betriebe nutzen aber klassisches Webhosting: ein Paket für wenige Euro im Monat, bei dem sich viele Kunden einen Server teilen. Hier ist der Hardware-Anteil pro Kunde klein, entsprechend gedämpfter und später kommt der Preisdruck an. Hetzner etwa hat sein klassisches Webhosting bei der Juni-Erhöhung ausdrücklich ausgenommen. Panik ist also nicht angebracht — Aufmerksamkeit schon.

Genauer hinsehen sollten Sie, wenn einer dieser Punkte zutrifft:

  • Sie mieten einen eigenen virtuellen oder dedizierten Server — etwa für einen Online-Shop oder eine Buchungssoftware.
  • Ihre Agentur hostet für Sie und mietet dafür selbst Server — steigende Einkaufspreise können umgelegt werden.
  • Ihr Vertrag läuft monatlich — dann können neue Preise schneller greifen als bei Jahresverträgen.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis

Eine typische Praxis- oder Handwerker-Website läuft auf einem Webhosting-Paket für rund 8 Euro im Monat. Selbst wenn der Anbieter davon 20 Prozent mehr verlangt, reden wir über etwa 19 Euro im Jahr — ärgerlich, aber verkraftbar. Anders sieht es bei einem kleinen Online-Shop aus, der auf einem Cloud-Server für 40 Euro im Monat läuft: Eine Erhöhung um 50 Prozent bedeutet hier 240 Euro mehr pro Jahr. Spätestens dann lohnt sich die Frage, ob der Server in dieser Größe überhaupt nötig ist — oder ob ein kleineres Paket denselben Dienst tut.

Was Sie jetzt konkret prüfen sollten

  1. Letzte Rechnung gegen den aktuellen Listenpreis halten. Viele merken Erhöhungen erst nach Monaten, weil die Abbuchung einfach weiterläuft. Fünf Minuten im Kundenkonto schaffen Klarheit.
  2. Post vom Hoster ernst nehmen. Preisänderungen müssen angekündigt werden — meist per E-Mail. Viele Anbieter räumen dabei ein Sonderkündigungsrecht ein; ob und mit welcher Frist, steht in der Ankündigung selbst und in den AGB.
  3. Laufzeit und Zahlweise prüfen. Ein laufender Jahresvertrag sichert den Preis in der Regel bis zum Ende der Laufzeit. Wer ohnehin zufrieden ist, kann vor einer angekündigten Erhöhung bewusst verlängern.
  4. Den eigenen Bedarf hinterfragen. Viele kleine Websites laufen auf Paketen oder Servern, die für ein Vielfaches ihres tatsächlichen Bedarfs ausgelegt sind. Eine Praxis-Website mit Terminanfrage braucht keinen eigenen Cloud-Server.
  5. Nicht überstürzt wechseln. Ein Hoster-Wechsel nur wegen ein paar Euro Unterschied lohnt selten — und schiefgehen kann dabei einiges. Wie ein Umzug ohne Ausfall funktioniert, haben wir in einem eigenen Beitrag zum Hoster-Wechsel beschrieben.
◆ Tipp

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr aktueller Preis noch fair ist: In unserem Preis-Check für Webhosting haben wir aufgeschlüsselt, was gutes Hosting für kleine Betriebe kosten darf — und woran Sie überteuerte Pakete erkennen.

Unsere Einschätzung

Wir hosten die Websites unserer Kunden auf Servern in Deutschland — warum uns der Serverstandort wichtig ist, haben wir bereits ausführlich begründet — und beobachten die Einkaufspreise seit Monaten. Unsere Erwartung: Im klassischen Webhosting werden die Preise moderat steigen, im Server- und Cloud-Bereich deutlich. Wer jetzt einen Jahresvertrag zu alten Konditionen hat, sitzt erst einmal im Trockenen.

Die beste Absicherung gegen steigende Infrastrukturpreise ist aber eine andere: eine effiziente Website. Eine schlanke, schnelle Seite kommt mit dem kleinsten Paket aus und bleibt damit auch dann günstig, wenn die Preise pro Ressource steigen. Aufgeblähte Systeme, die aus Gewohnheit auf großen Servern laufen, zahlen die Erhöhungswelle dagegen voll mit.

Kurz gesagt: Die Preiswelle ist real, aber für die meisten kleinen Betriebe kein Grund zur Sorge — wohl aber ein guter Anlass, den eigenen Hosting-Vertrag einmal ehrlich anzuschauen. Das kostet eine Viertelstunde und spart im Zweifel jedes Jahr bares Geld.


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