Suchen Sie testweise nach Ihrem eigenen Gewerk plus Ihrem Ort — „Physiotherapie Leverkusen", „Elektriker Bergisch Gladbach". Was zuerst erscheint, ist nicht Ihre Website. Es ist die Karte mit drei Einträgen daneben: Name, Sterne, Öffnungszeiten, Anruf-Button. Viele Kunden treffen ihre Entscheidung genau dort — ohne je eine Website zu öffnen. Umso erstaunlicher, was wir in Audits regelmäßig finden: liebevoll gepflegte Websites neben verwaisten Google-Einträgen mit Öffnungszeiten von vorvorletztem Jahr.
Was ist das Google-Unternehmensprofil — und warum zählt es so viel?
Das Google-Unternehmensprofil (früher Google My Business) ist der kostenlose Eintrag, den Google in der Suche und auf Google Maps neben Ihrem Firmennamen anzeigt: Adresse, Öffnungszeiten, Fotos, Bewertungen, Telefonnummer, Link zur Website. Für lokale Suchanfragen ist dieser Eintrag oft der erste — und manchmal der einzige — Kontakt mit Ihrem Betrieb. Wer anrufen will, tippt auf den Anruf-Button. Wer wissen will, ob Sie samstags geöffnet haben, liest es im Profil. Ihre Website kommt häufig erst danach ins Spiel.
Das heißt nicht, dass die Website unwichtig wäre — dazu später mehr. Aber es heißt: Ein ungepflegtes Profil kostet Sie Kunden, bevor Ihre Website überhaupt eine Chance bekommt.
Übernehmen Sie zuerst die Kontrolle über Ihren Eintrag
Der häufigste Irrtum, den wir hören: „Wir haben da nie etwas angelegt, also gibt es auch nichts." Doch — Google erstellt Einträge auch automatisch aus öffentlichen Verzeichnissen und Nutzerdaten. Ihr Betrieb hat mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits ein Profil, nur verwaltet es niemand. Suchen Sie Ihren Firmennamen auf Google Maps: Wenn dort ein Hinweis wie „Inhaber des Unternehmens?" steht, hat den Eintrag noch niemand beansprucht.
Beanspruchen Sie das Profil über business.google.com — Google verlangt dafür eine Bestätigung, dass Sie wirklich zum Unternehmen gehören. Und klären Sie gleich die zweite Frage: Wer im Betrieb hat Zugriff? Wir erleben regelmäßig Profile, deren Zugangsdaten mit einem früheren Mitarbeiter oder einer alten Agentur verschwunden sind. Wie Sie solche Zugänge sauber verwalten, haben wir im Beitrag über Zugangsdaten im kleinen Betrieb beschrieben.
Die Basics: Kategorien, Öffnungszeiten, Beschreibung
Drei Felder entscheiden über den größten Teil der Wirkung:
- Hauptkategorie: Wählen Sie die präziseste, die es gibt — „Physiotherapeut" statt „Gesundheitseinrichtung", „Malerbetrieb" statt „Dienstleister". Nebenkategorien ergänzen, was Sie zusätzlich anbieten.
- Öffnungszeiten: inklusive Feiertage und Urlaub. Nichts verärgert Kunden zuverlässiger als ein „Geöffnet", das vor verschlossener Tür endet. Tragen Sie Betriebsferien ein, sobald sie feststehen.
- Beschreibung: Zwei, drei konkrete Sätze: Was machen Sie, für wen, in welchem Gebiet? Keine Floskeln, keine Aneinanderreihung von zwanzig Suchbegriffen — schreiben Sie so, wie Sie es einem Kunden am Telefon sagen würden.
Tragen Sie zusätzlich Ihre Leistungen ein, wenn Google das für Ihre Branche anbietet. „Terrassendielen verlegen" oder „Hausbesuche" beantwortet genau die Fragen, die Kunden tatsächlich stellen — und zwar bevor sie anrufen müssen.
Fotos: echt schlägt gestellt
Profile mit eigenen Fotos wirken auf den ersten Blick glaubwürdiger als solche, die nur ein Logo und ein Symbolbild zeigen. Zeigen Sie Ihre Räume, Ihr Team, Ihre Arbeit — mit dem Handy aufgenommen reicht völlig, wenn das Licht stimmt. Warum gestellte Agenturbilder eher schaden als helfen, haben wir im Beitrag Echte Fotos statt Stockfotos begründet. Und wenn Sie schon dabei sind: Dieselben Fotos gehören — richtig benannt und komprimiert — auch auf Ihre Website. Wie das geht, steht in unserem Leitfaden zum Bilder-SEO für kleine Betriebe.
Wie gehen Sie mit Bewertungen um?
Bewertungen sind der Teil des Profils, den Kunden am aufmerksamsten lesen — und der viele Betriebe am meisten Überwindung kostet. Drei Regeln haben sich in der Praxis bewährt:
- Fragen Sie aktiv. Der beste Zeitpunkt ist der Moment, in dem ein Kunde sich bedankt. Ein kurzer Hinweis oder ein Kärtchen mit dem Link zum Profil genügt — mehr Aufwand braucht es nicht.
- Antworten Sie auf jede Bewertung. Auf die guten mit einem ehrlichen Danke, auf die kritischen sachlich und lösungsorientiert. Wer antwortet, zeigt allen künftigen Lesern: Hier kümmert sich jemand.
- Kaufen Sie niemals Bewertungen. Gekaufte Rezensionen verstoßen gegen Googles Richtlinien und können rechtliche Folgen haben — und Kunden erkennen sie ohnehin schneller, als man denkt.
Die häufigsten Fehler aus unseren Audits
Damit Sie nicht dieselben Runden drehen müssen, hier die typischen Baustellen, die wir bei kleinen Betrieben immer wieder sehen:
- Verwaiste Profile: Öffnungszeiten von vor zwei Jahren, das letzte Foto von der Eröffnung, unbeantwortete Bewertungen aus drei Sommern.
- Doppelte Einträge: Nach einem Umzug oder einer Umfirmierung existieren alter und neuer Eintrag parallel — Bewertungen und Sichtbarkeit verteilen sich auf beide. Lassen Sie Duplikate zusammenführen, statt sie zu ignorieren.
- Suchbegriffe im Firmennamen: „Müller GmbH — Maler Lackierer Bodenleger Köln" verstößt gegen Googles Richtlinien. Der Profilname muss dem echten Firmennamen entsprechen.
- Inkonsistente Daten: Auf der Website steht die neue Telefonnummer, im Profil die alte. Name, Adresse und Telefonnummer sollten überall identisch sein — auf der Website, im Profil, in Verzeichnissen.
Profil und Website: kein Entweder-oder
Ersetzt ein gepflegtes Profil die Website? Nein — die beiden haben unterschiedliche Aufgaben. Das Profil gewinnt den ersten Kontakt: Es wird auf der Karte gefunden, es zeigt Bewertungen, es liefert den Anruf-Button. Die Website macht daraus Vertrauen und Aufträge: Sie zeigt Referenzen, erklärt Leistungen und Abläufe, beantwortet die Fragen, für die im Profil kein Platz ist. Was auf der Website-Seite für lokale Sichtbarkeit zählt, haben wir am Beispiel unserer Region im Beitrag über Local SEO aufgeschrieben.
Machen Sie die Profilpflege zur Monatsroutine: zehn Minuten, ein fester Termin im Kalender. Öffnungszeiten prüfen, ein oder zwei neue Fotos hochladen, Bewertungen beantworten. Das schlägt jede einmalige Hauruck-Aktion.
Das Google-Unternehmensprofil ist einer der wenigen Hebel für lokale Sichtbarkeit, die nichts kosten außer etwas Regelmäßigkeit. Eine halbe Stunde für die Einrichtung, zehn Minuten im Monat für die Pflege — mehr braucht es nicht, damit Ihr Betrieb bei der lokalen Suche nicht mehr der verwaiste Eintrag neben zwei gepflegten ist.
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